NACHRUF AUF DR. ALFRED ROCKENSCHAUB

Dr. Alfred Rockenschaub ist am 30. Juli 2017 im 97. Lebensjahr gestorben.

Er war ein mutiger Wegbereiter für eine frauenorientierte Geburtshilfe. In meinen Ausbildungsjahren 1978 - 1980 hat er gegen große Widerstände und unter misstrauischen Blicken in der Semmelweiß-Frauenklinik Wien das Rooming-In und die Möglichkeit der Begleitung der werdenden Väter bei der Geburt eingeführt. Dammschnitte durften nur mehr median durchgeführt werden, was zur Folge hatte, dass häufig ganz darauf verzichtet wurde. Den Gebärenden wurden vor der Geburt die Schamhaare nicht mehr rasiert.
Das Stillen bekam wieder einen wichtigen Stellenwert. Das CTG hat er massiv abgelehnt und dafür die persönliche Betreuung der Gebärenden in den Vordergrund gerückt. Es war damals bereits eine vertikale Geburt möglich, jedoch in einem so unbequemen Gebärstuhl, dass sich wenige Frauen dafür begeistern konnten.
Die Kaiserschnittrate betrug 1%. Ein Kaiserschnitt durfte ausschließlich wegen mütterlichen Risiken durchgeführt werden, aber auch die Rate an vaginal-operativen Entbindungen lag bei lediglich 1%. Trotz dieser heute utopisch niedrigen Raten war die kindliche Sterblichkeit nicht höher als in den anderen Wiener Geburtskliniken. Viele der großen Veränderungen, die er eingeführt hat, wie Rooming-In, Männer bei der Geburt und Stillen ab dem ersten Tag, sind heute selbstverständlich geworden. Manches ist leider fast nicht mehr vorstellbar.
Alfred Rockenschaub war ein sehr politischer Mensch. Unter anderem hat er federführend an der Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs mitgewirkt. In der Pension wurde er ein treuer, unermüdlicher Unterstützer der Hebammen. Vor allem war er uns im Hebammenzentrum ein steter Begleiter mit vielen Vorträgen und Fortbildungen. Es war ihm noch drei Wochen vor seinem Tod wichtig, über das Wohlergehen des Hebammenzentrums Bescheid zu wissen. Mit seinem Buch „Gebären ohne Aberglauben – Fibel und Plädoyer für die Hebammenkunst“ hat er eine Grundlage geschaffen, die Vorgänge rund um Schwangerschaft und Geburt endokrinologisch und biologisch grundlegend zu verstehen und medizinische Regeln und Rituale infrage stellen zu können. Er hat immer wieder gesagt, es sei jetzt Aufgabe der Hebammen, eine eigene Geburtshilfe zu schaffen, die sich von der medizinischen Geburtshilfe abhebt.
Für das Buch „E I N F L U S S“ hat er dem Hebammenzentrum Texte geschenkt, die er im Laufe mehrerer Jahren für die Frauen geschrieben hat. Er wollte sie über die vielfältigen Vorgänge, die sich in ihrem Körper in der Schwangerschaft, während der Geburt und danach abspielen, informieren und ihnen Entscheidungshilfen mitgeben.
Mich persönlich hat Alfred Rockenschaub mein ganzes Berufsleben lang als Mensch begleitet. Ich konnte ihm alle Fragen stellen. Er hat immer Worte gefunden, die es mir ermöglichten, es wirklich zu verstehen und zu begreifen.
Dr. Alfred Rockenschaub hinterlässt eine große Lücke. Er hat sich immer gewünscht, dass wir Hebammen uns vom „medizinischen Establishment“ unabhängig machen und frauenstärkende Geburtshilfe praktizieren und durchsetzen.
Ich wünsche und hoffe, dass seine Visionen wahr werden und weiterleben.

 

Riki Ploil

 

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