Hausgeburt | Bedingungen & Grenzen
Zu den hauptsächlichen Vorbedingungen für eine Hausgeburt zählen die körperliche und psychische Gesundheit von Mutter* und Kind. Natürlich kann es Vorerkrankungen geben, die geburtshilflich nicht relevant sind oder eventuell im Laufe der Schwangerschaft wieder ausheilen und daher auch einer Hausgeburt kein Hindernis bieten. Um sich der Gesundheit von Mutter* und Kind zu vergewissern, wird die Hebamme Vorsorgeuntersuchungen bei den Schwangerschaftsterminen durchführen und Einsicht in eventuelle medizinische Befunde brauchen. Im Zweifel wird sie auch einen Spezialisten bzw. eine Spezialistin (z.B. Kinderarzt oder Kinderärztin) hinzuziehen.
Zu den strukturellen Vorbedingungen zählt eine normal ausgestattete Wohnung (Wasser, Heizung, Toilette, Dusche in der Wohnung), in der Sie sich „zu Hause fühlen“. Die Wohnung sollte normal sauber sein, aber es müssen keine besonderen Hygienevorkehrungen getroffen werden. Im Gegenteil, die Keimbesiedelung ist in der durchschnittlichen Wohnung geringer und gesünder als in jedem Krankenhaus und damit das Infektionsrisiko bei und nach einer Hausgeburt deutlich niedriger als bei einer Krankenhausgeburt.
Die Hebamme wird mit Ihnen im Laufe der Schwangerschaft eine Materialliste für die Hausgeburt und die ersten Tage danach erstellen. Diese Materialien sind größtenteils bereits im Haushalt vorhanden (Müllsack, Kübel, Yogamatte,…), manches muss noch in Drogeriefachgeschäften (Binden) oder einem Baumarkt (Malerfolie) besorgt werden. Sie sollten die Materialien gesammelt und leicht zugänglich zu Beginn der Rufbereitschaft zur Verfügung haben.
Falls es bereits Kinder gibt, empfiehlt es sich, eine Bezugsperson zu organisieren, die ebenfalls rufbereit ist und sich bei Bedarf um die Kinder kümmern kann. Der Partner oder die Partnerin nimmt normalerweise an der Geburt teil und wirkt unterstützend für die gebärende Frau*.
Hilfreich ist es, wenn der Partner bzw. die Partnerin auch bei den Terminen mit der Hebamme in der Schwangerschaft anwesend ist, um eigene Fragen stellen zu können und in die Betreuung integriert zu werden. Sollte es keinen Partner/keine Partnerin geben, wäre es gut, wenn die Frau* während der Geburt eine gute Freundin/Schwester/Doula... zur Seite hat, die ihr Kraft gibt und sie bestärkt.
Grenzen und Eigenverantwortung
Jede Frau* sollte die Möglichkeit haben, selbstbestimmt und ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen entsprechend gebären zu können. Dazu ist es wichtig, sich im Vorfeld über die eigenen Bedürfnisse und Wünsche klar zu werden und diese auch den jeweiligen Bezugspersonen zu kommunizieren. So kann die Hebamme schon im Vorfeld unterstützend wirken und falls nötig entsprechende Vorbereitungen treffen. Unter der Geburt allerdings sind viele Frauen* nicht mehr in der Lage, nüchterne Entscheidungen zu treffen, und dann rutscht die Hebamme, falls nötig, von ihrer unterstützenden und bestärkenden in eine mehr führende Rolle. Es spricht für eine gute Vorarbeit und eine solide Vertrauensbasis, wenn dem stattgegeben werden kann und solch eine Geburt trotzdem als positiv erlebt wird, auch wenn sie nicht mehr ganz den ursprünglichen Vorstellungen entspricht.
Sollten unter der Geburt Komplikationen auftreten oder Sie eine Form der Unterstützung brauchen, die zu Hause nicht möglich ist, wird Sie die Hebamme ins Krankenhaus verlegen. Solch eine Verlegung verläuft in den allermeisten Fällen in Ruhe und vorsorglich. Mögliche Gründe und der genaue Ablauf werden schon in der Schwangerschaft besprochen. Um dort möglichst schnell und gut versorgt werden zu können, sollten Sie sich schon in der Schwangerschaft in einem Krankenhaus anmelden.
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