COVID-19 - SCHWANGERSCHAFT, GEBURT und STILLEN - aktuelle Studienlage


Die Studienlage zu den Auswirkungen einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 während Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit ist zwar stetig wachsend, aber immer noch begrenzt, sodass viele Fragen noch nicht sicher beantwortet werden können. Wir fassen hier das aktuellste Wissen (Stand 17.5.2021) für Sie zusammen.

 

SARS-CoV-2: Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2, Erreger der aktuellen Pandemie, meist einfach als »Coronavirus« bezeichnet
COVID-19: Coronavirus Disease 2019, Erkrankung durch Infektion mit SARS-CoV-2

 

COVID-19 und Schwangerschaft


Obwohl aufgrund der physiologischen und immunologischen Anpassungsvorgänge während der Schwangerschaft eine erhöhte Empfänglichkeit für Infektionen anzunehmen wäre, stecken sich Schwangere nicht leichter mit SARS-CoV-2 an als gleichaltrige nichtschwangere Personen. Frauen haben generell ein geringeres Risiko als Männer, sich mit SARS-CoV-2 zu infizieren bzw. schwer zu erkranken. Es gelten für Schwangere also die gleichen allgemeinen Empfehlungen zur Infektionsvermeidung wie für Nichtschwangere.

Mit SARS-CoV-2 infizierte Schwangere scheinen auch nur selten Symptome zu entwickeln. In aktuellen Studien weisen bis zu 89% der Schwangeren asymptomatische Verläufe auf. Symptomatische Infektionen sind bei Frauen im dritten Trimenon häufiger als im ersten. Die Symptome unterscheiden sich nicht von Nichtschwangeren (hier stehen Husten, Halsweh, Fieber und Geschmacks- und Geruchsstörungen im Vordergrund), dauern aber teilweise länger - bis zu acht Wochen - an.


Es hat sich in den letzten Monaten jedoch gezeigt, dass es bei symptomatisch erkrankten Schwangeren zwar immer noch selten, aber doch häufiger als bei Nichtschwangeren zu schweren Verläufen incl. der Notwendigkeit von intensivmedizinischer Versorgung / Beatmung kommt. Dies trifft vor allem auf Schwangere mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, höherem Alter oder Zuckerkrankheit zu. Hier muss angemerkt werden, dass Schwangere schon bei niedrigeren Grenzwerten als Nichtschwangere einer intensivmedizinischen Behandlung zugeführt werden.


Auch die Rate an Frühgeburtlichkeit ist bei an COVID-19-erkrankten Frauen erhöht, wobei Daten darauf hinweisen, dass nicht das Virus an sich Frühgeburten auslöst, sondern in erster Linie ein durch die Erkrankung verursachter kritischer mütterlicher Zustand (z.B. Sauerstoffmangel durch Lungenentzündung) eine Schwangerschaftsbeendigung notwendig machen kann. Interessanterweise hat eine Studie ergeben, dass die Gesamtzahl an Frühgeburten während des 1. Lockdowns sogar abgenommen hat.
Das Präeklampsierisiko (Bluthochdruck plus Eiweißausscheidung im Harn) ist bei einer SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft mild erhöht.
Aufgrund eines erhöhten Thromboserisikos wird bei einer SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft (zumindest bei schweren Verläufen, die eine Spitalseinweisung erforderlich machen) eine Therapie mit niedermolekularem Heparin für 10 Tage empfohlen.

 

Da die allermeisten Kinder von SARS-CoV-2-infizierten Frauen gesund geboren werden, galt es zunächst als unwahrscheinlich, dass es während der Schwangerschaft zu einer Übertragung des Virus auf das Ungeborene kommen könne (»vertikale Transmission«). Mittlerweile existieren einzelne gut dokumentierte Fallberichte von vertikalen Transmissionen, deren klinische Bedeutung aber noch unklar ist. Eine Infektion des Ungeborenen dürfte also grundsätzlich möglich, aber ein sehr seltenes Ereignis sein (auch da SARS-CoV-2 nur äußerst selten im Blut vorkommt). Man geht momentan davon aus, dass weniger als 3 % der mütterlichen Infektionen in der Schwangerschaft auch zu einer Übertragung des Virus auf das Ungeborene führen. Die allermeisten Infektionen von Neugeborenen dürften nach der Geburt durch Tröpfchen/Aerosole verursacht werden.
Sehr wohl von der Mutter auf das Ungeborene übertragen werden dürften Antikörper gegen SARS-CoV-2, die die Mutter nach einer Infektion in der Schwangerschaft ausbildet.

 

Es gibt bisher keine Hinweise für ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder Fehlgeburten.

 

COVID-19 und Geburt


Die Empfehlungen zum Geburtsmodus gelten weiter unverändert:

Eine Infektion des Kindes im Geburtskanal gilt aktuell als unwahrscheinlich. Die Empfehlung zur vaginalen Geburt bei SARS-CoV-2-positiver Frau ist internationaler Konsens. Es gibt keine Anhaltspunkte, dass eine Vaginalgeburt nachteilig oder ein Kaiserschnitt sicherer wäre. Der Geburtsmodus soll daher individuell anhand geburtshilflicher Indikationen bzw. dem Wunsch der Frau festgelegt und nicht durch das Vorhandensein einer SARS-CoV-2-Infektion beeinflusst werden, es sei denn, der Atemzustand der Frau erfordert eine dringende Entbindung.

 

Bei Bedarf können sowohl eine Regionalanästhesie (»Kreuzstich«) als auch eine Vollnarkose durchgeführt werden, die Verwendung von Lachgas sowie Wassergeburten (aufgrund des möglichen Vorhandenseins von Viren im mütterlichen Stuhl) sollten eher vermieden werden.

 

COVID-19 und Stillen


Zusammengefasst kann gesagt werden: Mütter mit einer SARS-CoV-2-Infektion sollen zum Stillen unter adäquaten Hygienemaßnahmen, zum Haut-zu-Haut-Kontakt und zum Rooming-In ermutigt werden. SARS-CoV-2-Infektionen von Neugeborenen sind selten, selten symptomatisch und nicht höher, wenn das Kind gestillt wird und bei der Mutter verbleibt. Kommt es nach der Geburt zu einer Infektion des Kindes, verläuft diese in aller Regel mild.

 

Im Detail:
Nationale und internationale Gremien sprechen sich auch bei SARS-CoV-2-positiver Mutter dafür aus, dass das Kind bei der Mutter verbleibt (Mutter und Kind werden gemeinsam isoliert), sofern es der Gesundheitszustand der Mutter zulässt. Das Risiko des Neugeborenen, von der Mutter mit SARS-CoV-2 infiziert zu werden, ist grundsätzlich gering und unterscheidet sich nicht, ob das Neugeborene in einem separaten Raum betreut wird oder im Zimmer der Mutter bleibt.

 

Es existieren mittlerweile einzelne Fallberichte über Nachweise von Virusbestandteilen in der Muttermilch. Noch ist unklar, ob es sich hierbei um vitale und damit infektiöse Viren handelt, eine Übertragung durch das Stillen gilt weiterhin als unwahrscheinlich. Es wird international davon ausgegangen, dass die anerkannten Vorteile - in diesem Zusammenhang speziell der generelle immunologische Schutz des Stillens - die potenziellen Risiken überwiegen. Mittlerweile konnte auch nachgewiesen werden, dass verschiedene Antikörper (IgA, IgG, IgM) gegen SARS-CoV-2 mit der Muttermilch an das Kind weitergegeben werden, wodurch dieses einen Infektionsschutz erhält.


Bonding und Stillen werden also trotz Infektion empfohlen, solange sich die Mutter gesundheitlich dazu in der Lage fühlt, dazu besteht ein internationaler Konsens. Als Hauptübertragungsweg des Virus von der Mutter zum Kind gelten mütterliche Aerosole/Tröpfchen. Folgende Maßnahmen werden, solange die Mutter infektiös ist, angeraten, um eine Übertragung auf das Kind zu vermeiden:

  • uneingeschränkter Hautkontakt, aber Vermeiden von Schleimhautkontakt („Streicheln ja, Küssen nein“)
  • gründliches Händewaschen und -Desinfizieren vor und nach dem Stillen, vor und nach jedem Kontakt zum Kind sowie vor und nach Berührung sämtlicher möglicherweise notwendiger Utensilien
  • Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes bei jedem Kontakt mit dem Kind.


Eine Alternative ist das Abpumpen von Muttermilch und Füttern durch eine gesunde Person.

 

Kommt es während der Stillzeit zu einer Infektion, sollte das Stillen nicht unterbrochen werden. Es ist davon auszugehen, dass das Kind bereits seit Tagen dem Virus ausgesetzt war und durch die Antikörper in der Muttermilch einen Immunschutz erhält.

 

Impfung in Schwangerschaft und Stillzeit


Da Schwangere ein erhöhtes Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken, hat das Nationale Impfgremium sie in der Impfreihenfolge priorisiert. Sie können sich ab dem 2. Trimenon (ab SSW 14+0) gegen Covid-19 impfen lassen. Stillende können/sollen die Impfung zum normalen Zeitpunkt erhalten, an dem sie dafür vorgesehen sind.

 

Sämtliche Empfehlungen können sich ändern, wenn sich das Wissen über das neue Virus weiterentwickelt.

 

Literaturverzeichnis:

1. DGGG: COVID-19-Impfung von Schwangeren und Frauen mit Kinderwunsch; https://www.dggg.de/presse-news/pressemitteilungen/mitteilung/covid-19-schutzimpfung-von-schwangeren-und-frauen-mit-kinderwunsch-1285/; Version vom Februar 2021
2. Europäisches Institut für Stillen und Laktation (EISL): Coronavirus/COVID-19 und Stillen: Aktuelle internationale Empfehlungen. Im Internet: https://www.stillen-institut.com/de/coronavirus-covid-19-und-stillen-aktuelle-empfehlungen.html, Version vom 5.3.2021
3. Groß R et al.: Detection of SARS-CoV-2 in human breastmilk. Im Internet: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2820%2931181-8/fulltext
4. Hagenbeck C et al.: Update 10/2020. Empfehlungen zu SARS-CoV-2/COVID-19 in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Im Internet: https://dgpi.de/aktualisierte-stellungnahme-von-dgpm-dggg-dgpgm-dgpi-und-gnpi-zu-sars-cov-2-covid-19-und-schwangerschaft-geburt-und-wochenbett-stand-30-06-2020/; Version vom 2.10.2020
5. Hagenbeck C.: COVID-19: „Wir müssen auf unsere Schwangeren gut achtgeben". Springer Medizin Podcast, https://www.springermedizin.de/infektionen-in-der-schwangerschaft/covid-19/covid-19---wir-muessen-auf-unsere-schwangeren-gut-achtgeben-/18675622?utm_source=email&utm_medium=SM_NL_UPDATE_GYNAEKOLOGIE&utm_campaign=Krebsrisiko%20und%20Pille:%20Neue%20Daten%20, 18.12.2020
6. Pateisky P & Kiss H: Stellungnahme der OEGGG zum Thema COVID-19 Impfung für Frauen mit Kinderwunsch, Schwangere und stillende Frauen. Im Internet: https://www.oeggg.at/leitlinien-stellungnahmen/covid-19-sars-cov-2/; Version vom 9.1.2021
7. RCOG: Coronavirus (COVID-19) Infection in Pregnancy. Im Internet: https://www.rcog.org.uk/globalassets/documents/guidelines/2021-02-19-coronavirus-covid-19-infection-in-pregnancy-v13.pdf; Version vom 19.2.2021
8. Vivante AJ et al.: Transplcental transmission of SARS-CoV-2 infection. Nature communications 2020; Im Internet: https://www.nature.com/articles/s41467-020-17436-6

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