HAUSGEBURT VON D.

 

Zu Beginn meiner Schwangerschaft lande ich bei einem Infoabend im Hebammenzentrum. J. sagt: Deine wichtigste Aufgabe in der Schwangerschaft ist: Lass es Dir gut gehen! Fein!

Lass es dir gut gehen. So einfach. Ich liebe diesen Satz. Er prägt meine ganze Schwangerschaft.

Es ist für mich eine schöne und intensive Zeit und ein Geschenk an mich selbst. In der 21.SSW werde ich freigestellt. So viel Zeit für mich und für dich. Ich spüre, dass meine Intuition einen riesigen Sprung macht. Ich fühle mich sehr wohl dabei meinem Bauch zu vertrauen. Und so ergibt sich dann auch der Entschluss für eine Hausgeburt. Ja, genau das ist es was ich möchte. Isabella Ulrich´s Buch „instinktive birth“ inspiriert und bekräftigt mich auch nochmal in meinem Entschluss.

Ich möchte deine Geburt v.a. selbstbestimmt und im Vertrauen erleben und ich spüre, dass wir das können. Zum Glück ist auch C. nach einiger Zeit überzeugt, dass das unser Weg ist.

Deine Ankunft in unserer Welt…

Ich erinnere mich, dass ich gegen 3:30 die erste intensive Empfindung im Unterleib spüre, ich liege im Bett und entspanne mich mit den Affirmationen und der Regenbogen CD. Ich werde mir immer sicherer, dass Du jetzt kommen willst. Ich stehe langsam und leise auf, möchte C. noch nicht wecken und nehme Deine Geburtskerze mit ins Wohnzimmer. Ich zünde die Kerzen meiner Lieben an, denke an jede von Ihnen und dann zünde ich Deine an und spreche zu dir. „Ich bin bereit. Ich spüre, dass Du jetzt geboren werden willst. Ich will mich Dir jetzt öffnen und ganz weich und weit werden. Ich atme für Dich und bewege mich so wie Du es brauchst. Ich lade alle unsere guten Mächte ein uns zu begleiten. Wir gehen diesen Weg gemeinsam - ich bin bei Dir. Jede Geburtswelle bringt Dich näher zu mir. Die Kraft der Geburt fließt durch mich. Wir sind beschützt und begleitet - wir dürfen vertrauen und uns hingeben. Ich öffne mich für Dich. Es hat begonnen.“

Es ist eine schöne, angenehme, ruhige Nacht. Ich ziehe das Gebärkleid von meiner Mama und K. an. Eine wunderschöne Stimmung ist im Raum. C. steht auf, ich weihe ihn ein und lege mich in die Badewanne. Das Licht ist schummrig, ich höre Estas Tonne, die Wellen sind schon sehr intensiv.

Ich bitte C. den Pool vorzubereiten, er zögert, macht´s dann aber. Gegen halb sechs rufen wir

K., unsere Hebamme. Als sie da ist denke ich kurz, dass wir sie vielleicht zu früh gerufen haben, sie hätte sich noch erholen sollen und wir hätten noch Zweisamkeit bzw. Dreisamkeit gehabt. Noch dazu war sie bis vor 3h bei einer anderen Geburt! Ich biete ihr an sich noch ins Schlafzimmer zurückzuziehen aber C. bereitet schon einen Kaffee für sie vor. Ich gehe immer wieder aufs Klo, veratme die intensiver werdenden Wellen am Klo bzw. der Sessellehne, C. drückt mir dabei aufs Kreuz, dazwischen ruhe und entspanne ich mich am Sessel sitzend. Die ersten Atemzüge der Welle sind die intensivsten. Um kurz nach sieben frage ich K. ob sie mich mal untersuchen würde. Sie tastet und fragt ob ich wissen möchte wie weit. Ja. Sieben Zentimeter. Wow, ich bin beeindruckt! Ich bin nun also schon sieben Zentimeter offen .. unglaublich, damit hatte ich nicht gerechnet und es motiviert mich sehr. Ich beschließe nun meine Familie einzuweihen und schicke eine Nachricht in den familychat. Dann geht es weiter. Die Wellen werden immer intensiver, ich gehe in den Pool, am angenehmsten finde ich es zu knien und mich vorne überzubeugen bzw. mich an C. festzuhalten, dazwischen entspannen. Irgendwann gehe ich wieder aufs Klo, spüre eine plötzliche Übelkeit und muss spucken. K. sagt, das sei ein gutes Zeichen, ich erinnere mich an meine Schwester und Cousine die sagten, dass das gegen Ende kommt und bin zuversichtlich. Ich atme während der Welle immer weißes Licht zu Dir, beim Ausatmen stelle ich mir vor wie die Kraft von oben nach unten durch mich durch geht, ich mich öffne und weich werde. Ich verbinde mich immer wieder mit Dir. Zurück im Pool spüre ich das Bedürfnis mitzuschieben und mache das zunächst nur ganz sanft und mit dem Atem. K. sagt ich könne ruhig mehr mitschieben, wenn ich wolle. Die Intensität der Wellen macht nochmal einen deutlichen Sprung. K. fragt ob ich mal tasten will. Ich taste und spüre erstmals Dein Köpfchen. Ich begrüße Dich mein Schatz. Es ist aber noch ein ganz schönes Stückchen denke ich, diese Phase beginnt sich nun langsam zu ziehen. Es scheint mir plötzlich so langsam voran zu gehen als würde der Fluss stocken. Ich gehe aus dem Pool, habe das Gefühl, dass ich eine Veränderung brauche, vielleicht mehr Erdung. Wir sind eine Zeit am Boden, ich in der tiefen Hocke, C. hinter mir, dann drehe ich mich zu ihm, probiere Verschiedenes aus, aber ich habe das Gefühl, dass da nicht so viel weiter geht, irgendwie passt es nicht 100%. K. (oder ich?) schlägt vor nochmal ins Pool zu gehen, da ist es am besten gegangen sagt sie. Ok. Nach einiger Zeit im Pool sagt K., sie habe P. Bescheid gegeben, sie hätte sie gerne dabei, ich brauche mich aber nicht zu sorgen. Es löst trotzdem einen Zweifel in mir aus. Ist sie nicht zufrieden mit dem Fortschritt? Warum tut sich so wenig? Ich spüre Angst aufsteigen, Zweifel.

Was ist los? Warum geht jetzt plötzlich nichts mehr weiter? Das ist meine Schwelle über die ich drüber muss sagt K. Dein kleiner Sohn will jetzt da raus, sagt sie sehr einfühlsam und ruhig. Lass ihn raus, werde weich und weit. Schiebe mit, kraftvoll. Nimm deine ganze Kraft. Ich habe das Gefühl, dass Du nur 80% gibst, gib Deine ganze Kraft und schiebe. Ja kraftvoll. Sie motiviert mich, unterstützt mich. Wir gehen wieder raus aus dem Pool. P kommt, ist zunächst ruhig und im Hintergrund. Ich probiere den Vierfüßler, lehne mich an C. an, es ist nicht ganz stimmig. Wir probieren verschiedene Positionen aus, es ist gut, dass auch P. da ist, auch sie hat eine sehr ruhige entspannte Haltung die mich beruhigt. Es ist eine sehr intensive Phase, ich mobilisiere dank K. Motivation alle meine Kräfte immer mehr und mehr und bin erstaunt wieviel da noch schlummert. Ich greife nach unten und spüre Dein Köpfchen noch immer recht hoch, alles geht so langsam voran. Wieso geht es so langsam?!? Ich will doch loslassen, warum geht es nicht weiter, ist alles ok? Bei einer der nächsten Wellen kommt ein Schluchzen mit, Tränen, da ist eine Angst und dann wieder das Bild der Kraft von oben die durch meinen Körper nach unten strömt, ich töne immer lauter und spüre so deutlich wie ich meine Kraft immer mehr mobilisiere. Jetzt schiebe ich auch hinten, wie beim Stuhlgang, das hatte ich davor nicht gemacht.

Die Hand am Köpfchen hilft mir sehr zu spüren wo ich hinschieben muss, ja es ist sogar ein Aha Erlebnis. Dazwischen probieren wir auch die seitliche Liegeposition aus, während der Welle geht es gut, das Entspannen fällt mir aber schwer da ich die Beine nicht mehr fallen lassen kann, weil ich den Druck des Köpfchens schon spüre. Dann kommt der Vorschlag in die tiefe Hocke zu gehen und mich vorne an C. festzuhalten. Das ist eine sehr kraftvolle Position und auch die, die ich mir immer als meine Geburtsposition vorgestellt hatte. Ich atme tief ein, weißes Licht zu Dir mein Schatz und dann stelle ich mir vor wie diese starke Kraft von oben durch meinen Scheitel meinen ganzen Körper bis nach unten zieht, ich töne sehr laut und kraftvoll. Ich stelle mir vor wie ich all meine Kraft zusammennehme und schiebe mit der Ausatmung. Irgendwann akupunktiert K. meinen Damm. Weit und offen sagt sie, überschreite die Schwelle, lass Dein Baby kommen. Ich spüre, dass Du plötzlich deinen Kopf irgendwie neu einstellst. K. und P. sagen, Ah super, er hilft mit! Der Anfang der Wellen ist am intensivsten, ich weiß, ich muss die ersten Atemzüge nützen danach flaut es wieder ab und ich muss auf die nächste warten. Meine Oberschenkel zittern nach jedem dieser Kraftakte und ich entspanne mich. Aber jetzt. Ich spüre, dass es nicht mehr lange dauert, all meine Kraft. Ich atme tief ein, töne, schiebe und dann sehe ich den Ansatz Deines Köpfchens. Dann wieder Pause, die nächste Welle kommt, alle Kraft ist da, ich schiebe, töne und da! Dein Kopf wird geboren, mit der nächsten Welle zuerst die eine, dann die andere Schulter, ich sehe wie Du schon versuchst die Augen zu öffnen, dann gleitet der restliche Körper heraus. Es ist 11:52. Ich nehme Dich hoch zu mir auf den Bauch, dann auf die Brust, die Nabelschnur spannt ein bisschen aber es geht sich gut aus. Ich schaue Dir ins Gesicht, Deine Augen öffnen sich und Du siehst mich an, schaust mir in die Augen. Dein Blick ist so weit, so wach, weich und offen als würdest Du auch alles um uns herum aufnehmen. Du bist so schön. Ich küsse Dich, berühre Dich, verliebe mich in Dich. Nach ganz kurzer Zeit merke ich, dass Du nach meiner Brust suchst und schon saugst. Du das erste Mal an der linken Brust. Ich bin überglücklich, dass das so gut funktioniert. Dann schaue ich das erste Mal zu Papa C. rüber, er ist mit Freudentränen überströmt und sitzt neben uns. Es sind wunderschöne erfüllte Momente. Danke. Ich rede liebevoll mit Dir, ich glaube auf Kroatisch, bin ganz bei Dir, es ist so schön. Ich sehe K. und P. im Esszimmer sitzen und lächeln- sie geben uns den Raum für uns allein, das ist schön. C. macht Fotos. Ich spüre Deine weiche Haut, Du bist so rein, weich, so sauber, diese Haut fühlt sich so gut an. Du bist in ein rotes Handtuch gewickelt. Dein Nuckeln an der Brust löst spürbare Kontraktionen im Unterleib aus. Papa C. geht aufs Klo, die Hebammen fragen ob ich bereit bin für die Plazenta, ja, die kommt nicht von alleine.

Ca. 20min nach Deiner Ankunft schiebe ich nach Aufforderung noch einmal an und schwups ist sie auch schon draußen, das war so schnell und unkompliziert- meine Angst wegen Mama´s Geschichte (Not OP wegen Nachblutung) war ganz unbegründet, es war einfach ihre Geschichte und nicht meine. C. kommt vom Klo zurück. Jetzt ist die Geburt abgeschlossen sagt P.

Im Nachhinein schaue ich mir das Geburtsprotokoll mit K. nochmal an. Die Herztöne waren durchgehend wunderbar, einmal bin ich sogar für 10min im Pool eingeschlafen woran ich mich gar nicht erinnere. P. hatte sie gerufen, weil sie selbst sehr wenig geschlafen hatte und sich wohler fühlt, wenn in diesem Fall in der Endphase noch eine Zweite dabei ist. In der letzten Geburtsphase war dein Köpfchen anfangs nicht ganz ideal eingestellt aber zum Schluss hast du ihn dann doch noch richtig gestellt und dann ging auch wieder was weiter;)

Was für mich bleibt…. ein unglaublicher Kraftakt. Mobilisieren ungeahnter Kräfte selbstbestimmt und intuitiv. Zuversicht. Momente der Angst und des Zweifels, Tränen, Bitten, Vertrauen. Wir schaffen das gemeinsam.

Ich erlebe Dich heute als sehr kraftvollen, liebevollen, selbstbewussten und gesunden kleinen Menschen der blindes Vertrauen in diese Welt hat. Als den Menschen der mich am allermeisten lehrt und den ich über alles liebe.

 

footer1

Lazarettgasse 8/1B/1, 1090 Wien, Österreich
Tel.: +43 1 408 80 22

© 2019 Hebammenzentrum

footer2

Mo, Di, Do: 9-13 / Mi: 9-13 und 14-17
freie-hebammen[at]hebammenzentrum.at
Verein freier Hebammen

footer3

Mit der Nutzung unserer Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen